Poesie

Was bleibt?

Ich starre auf die Urne. Sie ist grün. Sie steht erhaben auf einem Sockel. Man will dem Menschen, der nun kein Mensch mehr ist, erheben. Die Rosen lassen leicht die Köpfe hängen. Die Reste eines Menschen passen nun in einen kleinen Behälter, so denke ich hinein in die Stille. Der Mensch, mit dem man vor 20 Tagen noch am Kaffeetisch saß, ist jetzt ein Häufchen Staub. Geschichten, verborgene und offizielle, Erinnerungen, Freude, Leid, ein ganzes Leben ist in diesem Gefäß.

Der Mensch war nicht vollständig vor 20 Tagen, doch er aß er die Torte mit Appetit. Schlurfte den Kaffee mit Genuss. Die Tasse kaum allein gehalten. Der Mensch war immer noch ein Mensch mit eigenem Willen und Wollen. Auf all das kam es schon lange nicht nicht mehr an. Da wird eine Rede gehalten. Sie ist nüchtern. Bekannte Tatsachen. Wo bleibt der Mensch? Wo die Wärme? In der Kälte fror ich langsam zu. Oder ist es die Trauer, die meine Lippen blau anlaufen lässt. Ein geschenktes Leben, das Verweilen auf dieser Erde - für eine kurze Zeit - ist nun vorbei. Es gibt kein Zurück.

2018