Poesie

 

Herbstlicht

 

Ein Sonntag

Ein Kaffee

Ein Gedanke

Ein Baum

Ein Blatt

Ein Wind

Ein Licht

Ein Weg

Ein Abschied

 

Am späten Morgen verirrt sich ein kleiner blauer Vogel im restlichen Laub eines Baumes. Ein zweiter, vielleicht ein Gefährte, sitzt aufgeregt, die Flügel klappernd auf einem Ast und schaut von oben. Ein dritter schwirrt in der Luft kleine Kreise um die Krone des Baumes ziehend. Sie ist kahl, doch weit verzweigt. Klar zeichnet sich ihre Silhouette vor dem grauen Himmel ab. Kein Streifen am Horizont. Die Kälte schaut ins Fenster und lächelt. Auf dem Fensterbrett steht ein Licht, eine Kerze, die schon lange brennt.

Wann sind wir barfuß über den Rasen gelaufen, die Flügeltüre der Terrasse weit geöffnet?

Dort steht jetzt ein Bild, unfertig, spricht es heute nicht mit mir. Die Fische im Teich sind jetzt sich selbst überlassen, graben sich in den dunklen stinkenden Schlamm. Fürs Überleben.

Freust du dich über die Stille?

Gedämpfte Geräusche vom Nachbarn und das Rauschen der Heizung, sonst nichts. Das Marmeladenglas macht keinen Lärm, auch nicht die Gedanken in meinem Kopf.

Stille Freude über die Stille.

Die dramatischen Ereignisse der letzten Tage sind verblasst. Die Seele hat sich beruhigt. Für den Moment.

Am letzten Tag im November.

Su 2020